diese Woche geht es um den Verdrängungswettbewerb bei Schwarmfinanzierungs-Plattformen sowie eine ungewöhnliche Zusammenarbeit, die mehr bedeuten könnte:
Zehn Jahre Crowdinvesting: Die Prospektbefreiung sollte den Markt öffnen – doch bis heute kämpfen viele Plattformen ums wirtschaftliche Überleben. Nur wenige haben den Break-even erreicht, Insolvenzen prägen das Bild.
Plattformrisiko unterschätzt: Der Zusammenbruch von Engel & Völkers Digital Invest zeigte drastisch, was passiert, wenn die zentrale Schnittstelle wegfällt. Tausende AnlegerInnen und zahlreiche Emittentinnen standen plötzlich ohne funktionierende Betreuung da.
Unerwartete Allianz: Aus der EVDI-Insolvenz entstand eine gemeinsame Servicinggesellschaft von Bergfürst und Exporo. Ob dahinter mehr steckt als reine Schadensbegrenzung, bleibt bislang unbeantwortet.
Branche unter Druck: Vertrauensverluste, leistungsgestörte Fundings und hohe Verluste prägen den Markt. Selbst große Plattformen suchen neue Geschäftsmodelle oder weichen auf andere Anlageklassen aus.
Konsolidierung zeichnet sich ab: Kooperationen, neue Strukturen und stille Zusammenschlüsse könnten den Markt nachhaltig verändern. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie sich die Branche neu sortiert.
Rendity ab Juni 2026 geschlossen. Plattform in Abwicklung.
Rendity wird abgewickelt
17.02.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
die Schwarmfinanzierungsplattform Rendity kündigt eine Abwicklung an:
Plattform wird abgewickelt: Die Wiener Immobilien-Crowdfunding-Plattform Rendity stellt den Geschäftsbetrieb ein. Neue Schwarmfinanzierungen werden bereits seit April 2024 nicht mehr angeboten, nun folgt die formelle Abwicklung.
Deutliche Verluste 2024: Nach einem Gewinn von 1,1 Millionen Euro im Jahr 2023 rutschte Rendity 2024 mit knapp 1 Million Euro ins Minus. Das Eigenkapital schrumpfte binnen eines Jahres von 1,9 Mio. Euro auf rund 709.000 Euro.
Marktumfeld als Begründung: Rendity macht die Zinswende, hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie geopolitische Unsicherheiten für das Aus verantwortlich. Projektverzögerungen, Insolvenzen und sinkendes Anlegerinteresse hätten den Weiterbetrieb unmöglich gemacht.
Anlegerinnen und Anleger tragen Risiken: Laufende Investments sind qualifizierte Nachrangdarlehen mit Direktverträgen zwischen Anlegern und Projektgesellschaften. Rückzahlungen sollen laut Rendity künftig direkt durch die Emittenten erfolgen, mehrere davon befinden sich bereits in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Klagen und Kritik: Eine Interessengemeinschaft von Anlegern klagt wegen mutmaßlich irreführender Sicherheitsversprechen. Kritiker werfen Rendity vor, seine Prüfpflichten als Finanzanlagenvermittlerin vernachlässigt zu haben.
Fadenscheiniger Rückzug: Rendity will sich aus der Verantwortung stehlen und hofft, dass die Anlegenden sich nun direkt mit den häufig nicht zahlungsfähigen Emittentinnen auseinandersetzen. Ab Juni droht das völlige Chaos, wenn voraussichtlich die Online-Zugänge abgeschaltet werden.
Soravia profitiert von Zerschlagungswerten zu Lasten ProReal Europa 9 und 10
Zerschlagungswerte begünstigen Soravia
20.02.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
heute berichte ich über neue Unterlagen in Sachen One Group / ProReal Europa 9 und 10. Anlegerinnen und Anleger wurden auf Basis von Zerschlagungswerten abgefunden und Soravia profitiert:
Massive Verluste: Rund 9.000 Anlegerinnen und Anleger von ProReal Europa 9 und 10 müssen mit Rückflüssen von unter fünf Prozent ihres investierten Kapitals rechnen.
Blindpool ausgehebelt: Entgegen den Verkaufsunterlagen wurde das Anlegergeld vollständig an eine einzige Gesellschaft aus dem Soravia-Umfeld weitergereicht - statt Streuung entstand ein erhebliches Klumpenrisiko.
Kontrolle vollständig abgegeben: Mit der Ausreichung an die Poolgesellschaft verloren die Emittentinnen jeden Einfluss auf Auswahl, Struktur und Überwachung der einzelnen Immobilienprojekte.
Konzerninterne Verkäufe: Forderungen wurden auf Basis niedriger Zerschlagungswerte an die Aurora HoldCo. verkauft, die mittelbar zum Soravia-Konzern gehört - trotz fehlender tatsächlicher Zerschlagungen.
Streit um Verantwortung: Soravia weist Vorwürfe zurück und sieht sich für ProReal Europa 9 und 10 nicht mehr zuständig, während Anlegerinnen und Anleger das volle wirtschaftliche Risiko tragen.
Über 500 Millionen Euro flossen aus ProReal-Produkten in Soravia-Projektentwicklungen
Was Soravia verschweigt
24.02.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
heute berichte ich erneut über Soravia. Nachdem letzte Woche bekannt wurde, wie Soravia sich durch Zerschlagungsannahmen bei ProReal Europa 9 und 10 begünstigte, kommen die nächsten Hiobsbotschaften für ProReal Deutschland 7 und die ProReal-Secure-Serie:
Tiefe Krise: Soravia steckt nicht nur bei hochriskanten Nachrangdarlehen in Schwierigkeiten – inzwischen drohen auch bei nicht nachrangigen Anleihen erhebliche Ausfälle, die bislang als unwahrscheinlich dargestellt wurden.
Laufzeitverlängerungen: Die ProReal-Secur-Gesellschaften 1 bis 4 wollen auf Gläubigerversammlungen im März 2026 die Rückzahlungstermine ihrer Anleihen um mehrere Jahre verschieben und sich zusätzliche Verlängerungsoptionen sichern.
Zinsstundungen: Neben der Laufzeit können bei Zustimmung zu den Änderungen auch Zinszahlungen zeitweise ausgesetzt und erst am Ende der verlängerten Laufzeit nachgezahlt werden – ein deutlicher Hinweis auf akute Liquiditätsprobleme.
Fehlende Transparenz: Wichtige Informationen zu finanzierten Projekten, offenen Darlehensständen und zur wirtschaftlichen Lage der Poolgesellschaften werden weiterhin nicht offengelegt, belastbare Einschätzungen sind kaum möglich.
ProReal Deutschland 7: Zwischenzeitlich werden die Verluste auch hier auf 74 Prozent beziffert.
Vertrauensverlust: Nach Verlusten von über 95 Prozent bei ProReal Europa 9 und 10 erscheint es wenig glaubwürdig, die aktuellen Maßnahmen als reine Laufzeitfrage darzustellen – vieles spricht für weitere Abschreibungen und zusätzliche Verluste.
in diesem Newsletter geht es um tausendfache Fehlberatungen von Banken und Sparkassen bei Offenen Immobilienfonds:
Fehlberatungen in Milliardenhöhe: 2025 flossen rund drei Milliarden Euro in offene Immobilienfonds zu überhöhten Preisen, obwohl identische Anteile deutlich günstiger über die Börse erhältlich waren.
Gezielte Marktstützung: Banken und Sparkassen empfahlen systematisch den teureren Kauf über Fondsgesellschaften, um eigene oder konzernnahe Fonds zulasten der Kundinnen und Kunden zu stabilisieren.
Doppelte Anlegerschädigung: Käufer zahlten überhöhte Preise und Ausgabeaufschläge, während Verkäufer wegen umgeleiteter Nachfrage schlechtere Börsenkurse erhielten.
Verstoß gegen Best Execution: Empfehlungen zu objektiv schlechteren Ausführungswegen verletzen die Pflicht zur bestmöglichen Ausführung nach MiFID II und WpHG.
BaFin ohne wirksames Eingreifen: Trotz klarer Zuständigkeit für den kollektiven Verbraucherschutz blieb ein aufsichtsrechtliches Einschreiten bislang aus.
Strukturelles Fondsproblem: Hohe Kosten, schwache Renditeaussichten und nicht marktgerechte Bewertungen machen offene Immobilienfonds für Anlegerinnen und Anleger zunehmend unattraktiv.
Thamm & Partner zahlt gekündigte Einlagen mit Verspätung
Viel Thamm, Thamm
27.03.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
diese Woche berichte ich über einen 30 Jahre alten Anbieter aus Berlin, die Thamm & Partner GmbH:
Geschäft unter Druck: Thamm & Partner kämpft mit Problemen. Rückzahlungen bleiben aus, und veraltete Zahlen sowie schwache Kommunikation untergraben das Vertrauen.
Verluste und Kosten: Das Unternehmen schreibt seit Jahren hohe Verluste. Ein erheblicher Teil der 2023 eingeworbenen Gelder fließt zudem in Kosten statt in werthaltige Investitionen.
Liquiditätsprobleme: Viele Anlegerinnen und Anleger warten auf Rückzahlungen. Kündigungen bleiben hoch und erhöhen den finanziellen Druck weiter.
Unklare Bewertung: Der Immobilienbestand wird mit rund 100 Millionen Euro angegeben, basiert jedoch auf einem früheren „potenziellen Verkaufserlös“. Die Aussagekraft dieses Wertes bleibt fraglich.
Schwache Renditen: Trotz guter Marktphase waren die Erträge gering. Durch aktuelle Verluste dürften viele Beteiligungen inzwischen sogar im Minus liegen.
Um den vollständigen Beitrag lesen zu können, klicken Sie hier: Viel Thamm, Thamm
„Symbolbild: Bei hep Solar ziehen dunkle Gewitterwolken auf“
Aufschub ohne Absicherung
02.04.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
diese Woche geht es mal wieder um den Fußballsponsor und Solarfinanzierer hep sowie dessen Nichtrückzahlung einer Anleihe:
Rückzahlungen bleiben aus: Seit Ende 2024 werden fällige Nachrangdarlehen der hep opportunity 1 und später auch der hep opportunity 2 nicht zurückgezahlt. Nun ist zusätzlich die Rückzahlung der nicht nachrangigen Anleihe der Konzernmutter hep global GmbH gefährdet.
Laufzeitverlängerung geplant: Die Anleihegläubiger sollen einer Verlängerung der Laufzeit um bis zu 18 Monate zustimmen, damit eine noch nicht abgeschlossene Refinanzierung umgesetzt werden kann. Ein höherer Zinssatz oder zusätzliche Sicherheiten sind bislang nicht vorgesehen.
Refinanzierung mehrfach angekündigt: Bereits seit Anfang 2025 wurden bei Nachrangdarlehen wiederholt baldige Refinanzierungen und Teilzahlungen angekündigt, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Auch zuletzt genannte Termine sind inzwischen verstrichen.
Positive Zahlen, offene Fragen: Trotz sehr guter vorläufiger Geschäftszahlen für 2025 und optimistischer Prognosen für 2026 bleibt unklar, warum die Refinanzierung nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnte und die Rückzahlung ausbleibt.
Kritik an Transparenz und Vorgehen: Beobachter bemängeln fehlende Transparenz sowie die lange geplante Verlängerung ohne Gegenleistungen für Anleger. Der deutlich gesunkene Anleihekurs deutet zudem auf eine skeptische Markteinschätzung hin.
Karlchen hat geschrieben: ↑Do 2. Apr 2026, 09:20
In dem Beitrag ist noch der alte Termin genannt. Da die Einladung nicht rechtzeitig veröffentlicht wurde gibt es einen neuen Termin: Abstimmung ohne Versammlung vom 12.04.2026 bis zum 14.04.2026
Danke für den Hinweis, ich habe das in dem Beitrag geändert. Am Dienstag bei Redaktionsschluss war auf der hep-Homepage noch der alte Termin zu finden. Das ist schon mega-peinlich für eine Kanzlei wie Heuking, die die Abstimmung organisieren ...
Forumseinträge von mir sind nicht als Anlageberatung oder als Rechtsberatung zu verstehen.
Falls Ihnen mein Forum gefällt, würde ich mich über eine freiwillige Unterstützung sehr freuen.
Karlchen hat geschrieben: ↑Do 2. Apr 2026, 09:20
In dem Beitrag ist noch der alte Termin genannt. Da die Einladung nicht rechtzeitig veröffentlicht wurde gibt es einen neuen Termin: Abstimmung ohne Versammlung vom 12.04.2026 bis zum 14.04.2026
Danke für den Hinweis, ich habe das in dem Beitrag geändert. Am Dienstag bei Redaktionsschluss war auf der hep-Homepage noch der alte Termin zu finden. Das ist schon mega-peinlich für eine Kanzlei wie Heuking, die die Abstimmung organisieren ...
das ist denen doch so egal wie lang. Die Anleger haben so und so nichts zu sagen , da sie gar keine Mehrheit auftreiben können und ob man jetzt diese Karnevalsveranstaltung, ist auch egal, aber leider vom "dämlichen" Gesetzgeber vorgeschrieben. Da geht so und so keiner hin, kostet nur Geld und Zeit und erfreut die Rechtsanwälte.
Bei der Einladung zur zweiten Versammlung wäre ich mit ihrer Aussage einverstanden, denn da geht es um die "Wurst"
Drei Aufsichtsbehörden warnen vor Geschäften mit TGI
Konzertierte Warnaktion
24.04.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
diese Woche geht es um den ungewöhnlichen Vorgang, dass drei europäische Aufsichtsbehörden fast gleichzeitig Warnmeldung zu einem Goldanbieter veröffentlichen.
Drei Behörden schlagen Alarm: BaFin sowie die Finanzmarktaufsichten in Liechtenstein und Österreich warnen innerhalb weniger Tage vor Angeboten der TGI AG. Teilweise wird Anlegern ausdrücklich geraten, kein Geld zu investieren.
BaFin stoppt Gold-Angebote: Die deutsche Finanzaufsicht untersagt zwei Anlageprodukte wegen fehlenden Verkaufsprospekts. Die Maßnahme ist sofort vollziehbar, auch wenn sie noch nicht endgültig ist.
TGI weist Vorwürfe zurück: Das Unternehmen spricht von einer Fehlinterpretation durch die Behörden und sieht sein Geschäftsmodell wirtschaftlich nicht gefährdet.
Goldmodell mit Rabatten: Kunden sollen Gold kaufen, dessen Auslieferung bis zu 36 Monate aufgeschoben wird – verbunden mit monatlichen Rabattzahlungen von bis zu vier Prozent auf den Kaufpreis.
Verflechtungen und hohe Volumina: Führungspersonen sind auch in anderen Firmen aktiv, die teils hohe Verpflichtungen und große Vertragsvolumina ausweisen. Beobachter halten den Fall wegen der Dimensionen für potenziell bedeutend.
Ranft-Gruppe mit unklarer Zukunft aber schöner Vergangenheit
Kapital im Kreislauf
30.04.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
diese Woche berichte ich über die Ranft-Gruppe aus Bad Mergentheim:
Mehrere Testatsversagungen: Für verschiedene Gesellschaften der Ranft-Gruppe versagten Abschlussprüfer die Bestätigungsvermerke, insbesondere wegen Zweifeln an der Werthaltigkeit gruppeninterner Darlehen.
Hohe gruppeninterne Forderungen: Ein erheblicher Teil der Vermögenswerte einiger Ranft-Unternehmen besteht aus Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen, insbesondere gegenüber der Ranft Projektpartner GmbH.
Bilanzielle Überschuldungen: Mehrere Gesellschaften weisen nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbeträge auf, was auf eine angespannte finanzielle Lage hindeutet.
Verspätete Jahresabschlüsse: Für einzelne Gesellschaften wurden Abschlüsse verspätet veröffentlicht oder lagen zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht vor, was die Transparenz für Anlegerinnen und Anleger erschwert.
Abhängigkeit innerhalb der Gruppe: Die wirtschaftliche Stabilität mehrerer Gesellschaften hängt maßgeblich von der Entwicklung zentraler Darlehensnehmer innerhalb der Ranft-Gruppe ab.
Um den vollständigen Beitrag lesen zu können, klicken Sie hier: Kapital im Kreislauf
Die BaFin will die Risikoeinstufung offener Immobilienfonds überprüfen
Teuer, träge, riskant
17.06.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
diese Woche geht es um eine spannende Kehrtwende der BaFin in Bezug auf offene Immobilienfonds:
Fonds unter Druck: Offene Immobilienfonds geraten immer stärker in die Krise. Anlegerinnen und Anleger ziehen Milliarden ab, Renditen bleiben schwach und erste Fonds haben die Rücknahme von Anteilen gestoppt.
Risiko unterschätzt: Viele Fonds werden weiterhin als vergleichsweise sicher eingestuft. Die BaFin räumt inzwischen selbst ein, dass wichtige Risiken in die offiziellen Kennzahlen offenbar nicht ausreichend einfließen.
Geld nicht verfügbar: Wer in offene Immobilienfonds investiert, kommt im Ernstfall nicht einfach an sein Geld. Mehrere Fonds haben 2026 bereits die Rückgabe von Anteilen ausgesetzt und ein neues Gesetz verkleinert den Ausgang zusätzlich.
Teurer Direktkauf: Viele Anlegerinnen und Anleger kaufen Fondsanteile direkt über die Fondsgesellschaft. An der Börse wären identische Anteile häufig deutlich günstiger zu haben gewesen.
Wenig Rendite, hohe Kosten: Die erwarteten Renditen vieler Fonds liegen selbst in optimistischen Szenarien unter den Erwartungen sicherer Alternativen. Mit ein Grund dafür: Hohe Kosten fressen einen großen Teil der Bruttorendite auf.
BaFin gefordert: Die Aufsicht will zwar die Risikoeinstufung auf europäischer Ebene ändern lassen. Doch auch beim Vertrieb könnte sie sofort genauer hinsehen – etwa mit Testkäufen bei Banken und Sparkassen.
Um den vollständigen Beitrag lesen zu können, klicken Sie hier: Teuer, träge, riskant
Symbolbild: Thomas Ulf Michael Sieg im Gespräch mit Stefan Loipfinger, Zürich, Mai 2026, KI-generiertes Bild
„Episch katastrophal juristisch falsch“
23.06.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leseer,
diese Woche geht es um einen der größten Anbieter von Vermögensanlagen, die ThomasLloyd:
ThomasLloyd plant US-Börsengang: Noch 2026 soll die ThomasLloyd Climate Solutions Holdings PLC über eine Fusion mit dem Nasdaq-SPAC Roman DBDR Acquisition Corp. II an die Börse gebracht werden. Die angestrebte Bewertung liegt zwischen 850 Millionen und 1,5 Milliarden US-Dollar.
325 laufende Klagen: TL-Chef Michael Sieg relativiert die Rechtsstreitigkeiten: Bei 37.000 Zeichnungen und 1,5 Milliarden Euro bewegtem Kapital entspreche dies einem verschwindend geringen Anteil, zudem seien 85 bis 95 Prozent der Fälle durch nur zwei oder drei Kanzleien koordiniert.
Mehrere Insolvenzanträge: Gegen verschiedene ThomasLloyd-Anlagevehikel laufen vorläufige Insolvenzverfahren, ausgelöst durch Fremdanträge einzelner Anleger. Sieg wertet dies als Versuch, eine Vorzugsbehandlung gegenüber anderen Investoren zu erlangen.
Massive Verluste auf den Philippinen: Die drei Biomasseanlagen häuften inklusive Verlustvorträgen rund 330 Millionen Euro an Verlusten an; die Wirtschaftsprüfer äußerten erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit. Sieg verweist darauf, dass der Großteil der Verluste nicht liquiditätswirksam sei.
Eingeschränktes Testat in Luxemburg: Der geschlossene Fonds ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund SICAV erhielt ein eingeschränktes Testat, weil Jahresabschlüsse der Singapurer Muttergesellschaft fehlten und das Eigentum an den zugrunde liegenden Assets nicht verifiziert werden konnte. Die betroffenen Vorzugsaktien wurden auf null abgewertet.
Versagtes Testat in Deutschland: Bei der ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH verweigerte der Wirtschaftsprüfer bereits das Testat für 2022; der Jahresabschluss ist bis heute nicht im Bundesanzeiger veröffentlicht. Sieg betont, die CTIH sei kein Teil des ThomasLloyd-Konzerns.
Gescheiterter London-Trust: Der 2021 im Zuge der COP26 aufgelegte börsennotierte Renewable Energy Trust sammelte 181 Millionen US-Dollar ein, endete aber in einer freiwilligen Liquidation. ThomasLloyd macht den Ukraine-Krieg und den daraus folgenden Politikwechsel der britischen Regierung verantwortlich.
Gesamteinschätzung: Nicht veröffentlichte Jahresabschlüsse, eingeschränkte Testate und die betonte Trennung zwischen Konzern und Anlagevehikeln werfen Fragen auf. Im zweiten Halbjahr 2026 wird sich zeigen, ob der geplante Nasdaq-Börsengang das nötige Anlegervertrauen gewinnen kann.
KanAm Grund löst den offenen Immobilienfonds Leading Cities Invest auf
KanAm kapituliert vor Abflüssen
26.06.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
diese Woche möchte ich zum Abschluss noch eine Meldung von heute weitergeben, die die Krise bei offenen Immobilienfonds weiter verschärfen wird.
LCI wird abgewickelt: KanAm Grund hat die Verwaltung des offenen Immobilienfonds Leading Cities Invest zum 26. Juni 2026 gekündigt. Das verbliebene Immobilienvermögen von rund 350 Millionen Euro soll schrittweise verkauft und an die Anleger ausgeschüttet werden.
Rückgaben gestoppt: Ab Montag, 29. Juni 2026, werden keine Anteilsrückgaben und keine Anteilsausgaben mehr ausgeführt. Anlegerinnen und Anleger kommen damit nur noch über die laufende Abwicklung an Liquidität.
Mittelabflüsse als Auslöser: Der Fonds stand seit Jahren unter erheblichem Rückgabedruck. KanAm verweist auf branchenweite Nettoabflüsse bei offenen Immobilienfonds von mehr als 13 Milliarden Euro in den vergangenen zwei Jahren.
Portfolio stark geschrumpft: In den letzten Jahren wurden rund 70 Prozent der ursprünglich mehr als 40 Fondsimmobilien verkauft. Übrig sind noch zwölf Objekte in fünf Ländern mit einem Gesamtwert von rund 350 Millionen Euro.
Schwache Performance: Die Wertentwicklung lag von Juni 2025 bis Mai 2026 bei minus 24,6 Prozent. Auch in den beiden Vorjahren hatte der Fonds bereits deutliche Verluste verzeichnet.
Hohe Kostenbelastung: Im Basisinformationsblatt vom 16. April 2026 wurde für die empfohlene Haltedauer eine durchschnittliche Rendite von minus 7,02 Prozent pro Jahr nach Kosten ausgewiesen. Das machte den Fonds für neue Investorinnen und Investoren kaum attraktiv.
Bewertungen unter Druck: Die Verkäufe führten zu Abwertungen, weil die zuvor gutachterlich ermittelten Immobilienwerte am Markt nicht mehr durchsetzbar waren. Damit trat ein Problem zutage, das offene Immobilienfonds schon länger begleitet.
Salamitaktik: Der Fall zeigt, wie problematisch verzögerte Wertanpassungen bei offenen Immobilienfonds sind. Werden Marktkorrekturen nur schrittweise eingepreist, steigt der Anreiz für aufgeklärte Anleger, frühzeitig auszusteigen.
Warnsignal für die Branche: KanAm erwartet weiterhin angespannte Finanzierungsbedingungen und schwache Transaktionsmärkte. Eine Besserung sei nicht in Sicht. Damit dürfte der Leading Cities Invest nicht die letzte Hiobsbotschaft für offene Immobilienfonds bleiben.
Sechs offene Immobilienfonds nehmen derzeit keine Anteile zurück oder werden abgewickelt
Die Lawine rollt
08.07.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
die Lawine rollt und wird sehr schnell größer. Diese Woche muss ich schon wieder über offene Immobilienfonds berichten. Nun sind es schon vier Fonds, die die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt haben und zwei Fonds, die die Abwicklung ankündigten:
Sechs Fonds unter Druck: Im Jahr 2026 mussten bereits sechs kleinere offene Immobilienfonds die Anteilsrücknahme aussetzen oder werden vollständig abgewickelt. Innerhalb weniger Tage traf es zuletzt den Leading Cities Invest, den Habona Nahversorgungsfonds Deutschland und den Aachener Spar- und Stiftungsfonds.
Wertgrund zu spät reagiert: Beim Wertgrund WohnSelect D flossen seit Jahren Anlegergelder ab, ohne dass ausreichend Immobilien zur Liquiditätsbeschaffung verkauft wurden. Verkäufe unter früheren Gutachterwerten offenbarten erhebliche Bewertungsprobleme.
IntReal kaufte weiter zu: Beim Fokus Wohnen Deutschland wurden Immobilien noch über Jahre aufgewertet, obwohl sich die Marktbedingungen bereits verschlechterten. Trotz wachsender Rückgaben setzte das Management 2023 auf weitere Zukäufe statt auf konsequente Verkäufe.
UBS-Fonds massiv geschrumpft: Der UBS (D) Euroinvest Immobilien setzte im März die Anteilsausgabe und -rücknahme aus. Das Fondsvolumen war bereits seit 2010 von rund 2,5 Milliarden Euro auf zuletzt knapp 400 Millionen Euro gefallen.
KanAm wickelt vollständig ab: Der Leading Cities Invest wird nach massiven Mittelabflüssen komplett abgewickelt. Wiederholt mussten Gutachterwerte im Zuge konkreter Verkaufsprozesse deutlich nach unten korrigiert werden.
Habona stoppt Rücknahmen: Der Habona Nahversorgungsfonds Deutschland nimmt für bis zu 36 Monate keine Anteile mehr zurück. Trotz Immobilienkrise und Zinswende hatte das Management den Bestand zuvor noch deutlich ausgebaut.
Aachener Fonds ebenfalls am Ende: Auch der Aachener Spar- und Stiftungsfonds wird abgewickelt. Trotz erheblicher Mittelabflüsse und offener Rückgabeverlangen blieben die Verkaufsbemühungen nach Einschätzung von Investmentcheck unzureichend.
Scope-Ratings in der Kritik: Fünf der sechs betroffenen Fonds wurden von Scope bewertet, drei davon noch im vergangenen Jahr mit einem bbb-Rating und damit einem „ausgewogenen“ Verhältnis von Chancen und Risiken. Bewertungs- und Liquiditätsprobleme wurden damit offenbar nicht rechtzeitig erkannt.
Mögliche Interessenkonflikte: Positive Ratings und Auszeichnungen wurden von Fondsanbietern als Verkaufsargument genutzt. Gleichzeitig weist Scope in seinen Unterlagen darauf hin, dass Anbieter bewerteter Finanzinstrumente bestimmte Management-Ratings entgeltlich erwerben können.
Branche vor Vertrauenskrise: Die Häufung von Schließungen und Abwicklungen dürfte den Druck auch auf größere offene Immobilienfonds erhöhen. Mittelabflüsse, notwendige Verkäufe und verspätete Abwertungen könnten weitere Probleme sichtbar machen.
Um den vollständigen Beitrag lesen zu können, klicken Sie hier: Die Lawine rollt